Bad Orber Geschichts- und Heimatverein e.V.

Museum Bad Orb

Nachdem bereits im Jahr 1916 Vorarbeiten begannen, gründete Rektor Hardt im Jahr 1935 das Heimatmuseum, das im damaligen Rathaus - heute Touristinformation - eingerichtet wurde.

Das Museum fand im Jahr 1989 eine neue und würdige Bleibe in der neben der Stadtpfarrkirche St. Martin gelegenen alten Burg. Nach abgeschlossener Sanierung des 1064 erstmals urkundlich erwähnten historischen Gebäudes in romanischem Baustil hielt 1989 die erste Museumsabteilung "Leben, Wohnen, Arbeiten in Orb vom 18. bis 20. Jahrhundert" (Erdgeschoss) in dem neuen Stadtmuseum Bad Orb Einzug.

In verschiedenen Präsentationseinheiten sind dort die Ursachen für die Verarmung der ehemals blühenden Salzsiederstadt, die Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Überwindung der Not durch Hilfsmaßnahmen des Königreis Bayern aufgezeigt.

Nach dem Niedergang der Salzgewinnung im 19. Jh. begann eine Zeit großer Armut für die Bevölkerung. Obwohl in Orb seit jeher gute Handwerker zu finden waren, konnte sich aufgrund der Lage, weitab von den großen Handelsstraßen, kein gewinnbringendes Gewerbe ausbilden. Es blieb, dem kargen Boden abzuringen, was möglich war.

 

 

 

 

 

 

 

 

1993 folgte die zweite Abteilung "Entstehung und Entwicklung des Heilbades Orb um 1900" (1.OG).

1807 kam der Apotheker Franz-Leopold Koch nach Orb. 1812 baute er eine neue Apotheke. (Alte Stadt-Apotheke).Im unerschütterlichen Vertrauen auf die Heilkraft der Sole eröffnete er 1837 die erste Badeanstalt mit 8 Badezellen. Eine neue Epoche begann für Orb. Heilerfolge wurden über Orb hinaus bekannt. Der Betrieb der Badeanstalt war jedoch nicht rentabel und zehrte an den finanziellen Mitteln Kochs. Die bayerische Regierung unterstützte die Staatsbäder Kissingen, Bocklet, Brückenau, Steben, Höhenstadt und Alexandersbad - für ein Privatbad standen keine Mittel zur Verfügung. Koch starb arm und krank im Jahre 1850. Das Kochsche Solbad hatte keine Bedeutung mehr. Frankfurter Jagdherren waren Retter in der Not. Diese wußten über die wirtschaftliche Entwicklung in Orb genau Bescheid. Sie empfahlen, das weiter auszubauen, was der Apotheker Franz Leopold Koch angefangen hatte. Die Jagdherren gründeten 1899 die Bad Orb GmbH. 1900 wurde das erste Kurhaushotel eröffnet. Ein Wandelgang führte vom Kurhaus direkt zum ersten Badehaus (ebenfalls erbaut 1900). Das war der Beginn des öffentlichen Heilbades.

1903 pachtete die Bad Orb Gesellschaft den gesamten Kur- und Badebetrieb und setzte Sanitätsrat Dr. Scherf als Kurdirektor ein. Mit Weitsicht und Geschick agierte Kurdirektor Sanitätsrat Dr. Scherf von 1905 bis 1929.

Den Titel "Bad" erhielt die Stadt Orb 1909 offiziell verliehen.

 

 

 

1995 wurde die dritte Abteilung "Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit" im 2.OG eingerichtet. Das Thema der dritten Abteilung wurde hier erstmals in Deutschland museal als Schwerpunkt aufgegriffen.

Die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz führte zu einer Prägung Orbs durch den katholischen Glauben. Mit königlich-bayrischen Beamten aus dem Fränkischen kommen die ersten Evangelischen nach Orb. Die evangelische Gemeinde entwickelte sich erst seit der Zugehörigkeit Orbs zu Preußen.

 

 

 

 

 

 

 

2006, die vierte Abteilung "Geschichte der Orber Salzgewinnung" wird im Dachgeschoss eröffnet.
Im Frühjahr 2015 wurde die Abteilung konzeptionell überarbeitet und neu gestaltet. Die Neueröffnung fand am 17.Mai 2015, am Internationalen Museumstag statt.

In der Solgasse wurde jahrhundertelang Salz in Holzkästen gradiert, die sog. Kastengradierung. Gradieren bedeutet: den Salzgehalt erhöhen.
Zunächst mußte die Sole gereinigt werden. Die Holzkästen wurden mit Sole gefüllt, dann ließ man die Sole stehen damit sich der Schmutz absetzte, dann wurde die Sole in den Gießhäusern über Stroh ausgegossen. Die Bestandteile der Sole, wie - Kalk, Ton, Gips - setzten sich in den Kästen ab und wurden so hart, daß Häuser darauf gebaut werden konnten. In der Solgasse sind bis heute 2 Häuser erhalten, die auf Fundamenten aus diesen versteinerten Solebestandteilen gebaut sind.

Das Herzstück der Abteilung "Geschichte der Orber Salzgewinnung" ist ein detailgetreues Architekturmodell der Orber Salinenanlage nach Inventarplänen des Jahres 1862 im Maßstab 1:200. Das Modell hat der Bad Orber Geschichts- und Heimatverein mitfinanziert.
Das 2,80 x 5,60 m große Modell des Modellbauers Wolfgang Habel veranschaulicht das 11,5 ha große Salinengelände. Es zeigt die im 19. Jahrhundert vorhandenen 11 Gradierwerke und sämtliche Gebäude der Orber Saline. Diese Salinenanlage löste die sog. Kasten-gradierung ab, die innerhalb der Stadtmauern stattfand. Mit hohem technischem Aufwand wurde die Sole aus den Salzbrunnen in der Stadt gefördert und durch hölzerne Rohrleitung entlang des Quellenrings zu den Gradierwerken geleitet. Dort erzeugten sieben "Wasserkünste" Energie zum Antrieb der Pumpen und Druckwerke.

Die Gradierwerke wurden mit Schwarzdornreisig bestückt, über das die Sole rieselte. Mittels Wasserkraft ("Wasserkunst") wurde die Sole unter das Dach gefördert, floß dort in eine offene Rinne und wurde mittels Holzhähnen in dünnen Rinnsalen auf das Reisig verteilt. Die Gradierung reinigt die Sole von erdigen Bestandteilen Kalk, Ton, Gips. Die entstehenden Ablagerungen setzen sich auf dem Reisig fest und versteinern mit der Zeit (Dornsteine). Vor der Gradierung hat die Sole ca. 3% Salzgehalt. Nach bis zu 8 "Gradierfällen" bis zu 20% Salzgehalt. Gewöhnlich reichen 3 bis 4 "Gradierfälle" aus. Als siedewürdig galt die Sole, wenn mindestens 18% Salzgehalt erreicht waren. Nach der Gradierung wurde die Sole zur Beruhigung und Klärung in großen Holztröge gefüllt. Die Versiedung der Sole erfolgte in "Sudpfannen". Die Sole wurde gesotten bis die "Gare" eintrat (Kristallbildung bei Sättigung, d.h. 26% NaCl). Mit der "Salzkrücke", "Salzkruke" oder "Salzrechen" wurde das Salz an den Rand gezogen und zum ausschaufeln angehäuft. Das Salz "rechen" bzw. "schöpfen" war die Aufgabe des "Sälzers". In geflochtene Körbe gefüllt wurde es in die Trockenhäuser zum Trocknen gebracht. Die Lagerung des Salzes wurde von Zollbeamten streng überwacht.

Ein 1806 erbautes Gradierwerk, ist heute noch erhalten und dient als Freiluft-Inhalatorium. Es ist 160 m lang und enthielt seinerzeit 26.600 Bündel Schwarzdornreisig in 76 Feldern.

 

Museumsführungen werden von Vorstands- und Vereinsmitgliedern des Bad Orber Geschichts- und Heimatvereins durchgeführt.

Im Museum und hier zum Download erhalten Sie den Museumsflyer.

Die Öffnungszeiten des Museums:

Montag bis Donnerstag 10 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr
Freitag 14 - 16 Uhr
jeweils außer an Feiertagen

1x monatlich jeden 2. Sonntag von 14.30 - 17 Uhr
(April bis Oktober)

Führungen:

Jeden Mittwoch 15.30 Uhr (außer an Feiertagen)

 

Eintritt:

Erwachsene EUR 1,50 (mit Gästekarte EUR 1,-)
Kinder EUR 0,50
Führungen: normaler Eintrittspreis

 

Sonderführungen für Schulklassen und Gruppen:

Nach Anfrage und Voranmeldung,
Tel.: 06052-860 (Rathaus Zentrale)

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Museum Bad Orb

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